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2002-10-01 14:15
klimaschutz in meidling
Die Meidlinger Grünen haben sich zum Ziel gesetzt, die Umsetzung des Wiener Klimaschutzprogramms im Bezirk voranzutreiben.

von Grün-Bezirksrat Bernd Gugele
Die Meidlinger Grünen haben sich zum Ziel gesetzt, die Umsetzung des Wiener Klimaschutzprogramms im Bezirk voranzutreiben. Auf dieser Seite informieren wir Sie über unsere Forderungen und über Fortschritte in Sachen Klimaschutz in Meidling. Weitere Informationen zum Thema Klimaschutz erhalten Sie im Internet unter www.klimabuendnis.at und www.global.at .

Die Vorgeschichte: das Wiener Klimaschutzprogramm (Klip)

Am 5. November 1999 wurde im Wiener Gemeinderat ein umfangreiches und vorbildliches Klimaschutzprogramm für die Stadt Wien mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, Grünen und LIF beschlossen www.klip.wien.at. Ziel dieses Programmes ist es, die CO2 Emissionen in Wien bis 2010 um 14 % gegenüber dem Wert von 1990 zu senken. Das Programm enthält 36 Maßnahmenprogramme in folgenden fünf Handlungsfeldern (in Klammer die Anzahl der Maßnahmenprogramme):

Strom- und Fernwärmeerzeugung (3)

Wohnen (5)

Betriebe (5)

Stadtverwaltung (7)

Mobilität (16)

Damit ist das Klimaschutzprogramm das umfangreichste Umweltprogramm, das die Stadt Wien je in Angriff genommen hat.

Das Klip ist aber nicht nur ein Programm zur Reduktion von Umweltbelastungen, sondern auch ein Programm zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Steigerung der Lebensqualität in der Stadt. Beispielsweise sichern bzw. schaffen die angepeilten thermischen Sanierungen der Wohnhäuser rund 3.600 Dauerarbeitsplätze pro Jahr. Außerdem würde die Lärm- und Schadstoffbelastung der Bevölkerung beträchtlich sinken, wenn - wie im Klip angepeilt - der Anteil des Autos an den gesamten Wegen (Autos, Öffis, Rad, FußgängerInnen) von derzeit 37% auf 25% im Jahr 2010 reduziert wird.

Die Umsetzung des Klimaschutzprogramms auf Bezirksebene
Den Bezirken kommt bei der Umsetzung des Klimaschutzprogramms insbesondere in den Handlungsfeldern Mobilitäät und Stadtverwaltung eine wichtige Rolle zu. Deshalb befasst sich derzeit auf Initiative der Grünen der Umweltausschuss der Meidlinger Bezirksvertretung mit der Umsetzung des Klip in Meidling. Die Grünen haben auf Basis des Wiener Klimaschutzprogramms zwölf Punkte erarbeitet, die auf Bezirksebene umgesetzt werden können. Inwiefern die anderen Parteien - allen voran die SPÖ - mit diesen Punkten übereinstimmen werden, wird sich in den nächsten Sitzungen des Umweltausschusses zeigen. Wir halten Sie über die aktuellen Entwicklungen auf dem laufenden. Wenn Sie Fragen, Anregungen, Wünsche zum Thema Klimaschutz in Meidling haben, setzen Sie sich mit unserem Vertreter im Umweltausschuss Bernd Gugele in Verbindung. E-mail: Grün-Bezirksrat Bernd Gugele

Forderungen der Meidlinger Grünen zum Klimaschutz in Meidling


Energiechecks und gegebenenfalls energetische Sanierung jener bezirkseigenen Gebäude, die aufgrund der Energiekennzahlen als wenig energieeffizient eingestuft werden
Im Umweltausschuss vom 13. Februar 2002 wurde berichtet, dass vier Schulen und Kindertagesheime auffällig hohe Enegiekennzahlen aufweisen, wobei ein Objekt vor kurzem saniert wurde und die drei weiteren 2002 bzw. 2003 folgen sollen.

Umstellung des Amtshauses auf Ökostrom
Seit 1. Oktober 2001 können alle StromkundInnen ihren Stromlieferanten frei wählen. Dabei können die KundInnen ein Zeichen für die Umwelt setzen und sich für jene Lieferanten entscheiden, die weder Strom aus Atomkraft noch aus kalorischen Kraftwerken (Kohle, Öl, Gas), sondern Ökostrom (Wind, Sonne, Biomasse, Kleinwasserkraft) liefern. Firmen, die Ökostrom anbieten sind die Ökostrom AG (http://www.oekostrom.at) und die Alpen Adria Energie AG (http://www.aae-energy.com). Da die Gemeinde Wien bis Ende 2003 einen Generalliefervertrag mit Wienstrom hat, kann die Gemeinde frühestens ab diesem Zeitpunkt, oder sobald die Wienstrom eine Ökoschiene anbietet, auf Ökostrom umsteigen.

Verwendung von energiesparenden Einrichtungen, wie Wasserspar-Perlatoren an Armaturen, schaltbare Steckdosenleisten, Energiesparlampen
Hier wurde ein gemeinsamer Antrag aller Parteien in der Bezirksvertretungssitzung vom 21. Juni 2002 einstimmig angenommen.

Ökologische Beschaffung bei Bestellungen an die Fachdiensstellen
(z.B. stromsparende Computer, Kopierer, Kaffeemaschinen)
Hier wurde ein gemeinsamer Antrag aller Parteien in der Bezirksvertretungssitzung vom 21. Juni 2002 einstimmig angenommen.

Attraktivierung des Fußgängerverkehrs in Meidling etwa durch breitere Gehsteige, abwechslungsreiche Wege, Abbau von Barrieren
Zu diesem Zweck fordern die Meidlinger Grünen die Erstellung und Umsetzung eines Konzeptes "FußgängerInnenfreundliches Meidling". Die Grünen haben ein Papier als Grundlage für ein solches Konzept erstellt, das derzeit im Umweltausschuss diskutiert wird. Die Ausarbeitung von Fußgängerkonzepten ist im Wiener Klimaschutzprogramm explizit vorgesehen (S. 141f): "Alle Bezirke Wiens erstellen im Rahmen des Lokale Agenda 21-Prozesses bis spätestens 2005 Pläne für eine schrittweise Ausweitung der Grün-, Fußgänger- und Radverkehrsanlagen. Diese Pläne enthalten konkrete Umsetzungsschritte, Prioritäten und Zeithorizonte für die Umsetzung. Die Bevölkerung wird aktiv in diesen Prozess einbezogen. Die Ideen der BürgerInnen werden gesammelt und die daraus gewonnene Planung und Priorisierung wird mit den BürgerInnen diskutiert. Durch die aktive Einbeziehung der BürgerInnen in die Gestaltung ihres Bezirkes entsteht ein Bewusstsein für die Möglichkeiten und die Vorteile einer Umgestaltung." Ziel des Klip ist es, den Anteil des Fußgängerverkehrs von 23% auf 24% (das ist +6 Prozentpunkte gegenüber dem Trend) zu erhöhen. Das Programm "Gut zu Fuß in Wien" genießt höchste Priorität im Wiener Klimaschutzprogramm, weil ohne Reduktion des Straßenverkehrs die Klimaschutzziele nicht erreicht werden können. Neben den positiven Auswirkungen auf den Klimaschutz bringt zu Fuß gehen auch folgende Vorteile:
· Gesundheit: ½ Stunde täglich zu Fuß gehen senkt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen beträchtlich
· die Lebensqualität steigt durch den Rückgang durch Lärm- und Luftschadstoffbelastung
· die Nahversorgung wird durch erhöhte Fußgängerfrequenz gestärkt


Attraktivierung des Radfahrverkehrs etwa durch Öffnung der Einbahnen und durch attraktive Fahrradabstellplätze an den U-Bahnstationen
Ziel des Wiener Klimaschutzprogramms ist es, bis 2010 den Anteil des Radverkehrs an den gesamten Wegen von 4% auf 8% zu verdoppeln. Dass dieses Ziel realistisch ist, zeigen vergleichbare Städte wie München und Hamburg mit Anteilen von 15% bzw. 12%. Außerdem sind laut Klip (S. 149) 50% aller Autofahrten kürzer als 5 km. Auch dieses Programm hat höchste Priorität und bringt ähnliche Vorteile wie zu Fuß gehen. Derzeit wird im Bezirk noch viel zu wenig für den Radverkehr getan. Insbesondere beim Radfahren gegen die Einbahn erweist sich die SPÖ immer wieder als Bremserin. Dabei wird von ExpertInnen bestätigt, dass diese Maßnahme nicht nur effektiv und billig, sondern auch sehr sicher ist: seit es Radfahren gegen die Einbahn gibt (nämlich seit 15 Jahren) hat es dabei keinen einzigen Unfall gegeben.

Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs
Das Klip sieht eine Steigerung des Anteils des öffentlichen Verkehrs an den gesamten Wegen von derzeit 37% auf 43% bis 2010 vor. Auch dieses Ziel ist realistisch, denn laut Klip (S. 126) zeigen Untersuchungen: "58% aller Autofahrten könnten mit derzeit vorhandenen 'Öffis' zurückgelegt werden und das genauso schnell wie mit dem Auto." In Meidling wären folgende Maßnahmen notwendig:
- Erhöhung der Attraktivität und der Ereichbarkeit der Haltestellen
- (im Rahmen des zu erstellenden Konzeptes "Fußgängerfreundliches Meidling")
- Ausweitung der Wiener Linien (Betriebszeiten, Intervalle) z.B. 63A
- Ausweitung eigener Fahrstreifen für Bus
- Laut Klip (S. 155) sollen 100% der Straßenbahnen bis 2005 und 20% der Busse bis 2010 eigene Fahrstreifen haben
- Ausweitung der beeinflussbaren Verkehrslichtsignalanlagen auch bei Bussen
- Ziel 100% bis 2010:

Eine Anfrage der Grünen hat ergeben, dass die Bevorrangung der Straßenbahnlinie 62 alles andere als optimal ist. Zwar sind laut Wiener Linien 10 von 16 Ampeln beeinflussbar (Stand: Juli 2002), allerdings ist "die Beeinflussung dieser Ampeln derzeit mit dem motorisierten Individualverkehr abgestimmt und könnte - bei entsprechender politischer Zustimmung - für die Straßenbahn noch weiter verbessert werden."

Förderung von Car Sharing etwa durch Bereitstellen von Stellplätzen
Laut Klip sollen bis 2010 rund 50.000 Menschen am Car Sharing teilnehmen (für Meidling wären das etwa 2.500). Derzeit sind es in ganz Wien 2.600, in Meidling 86.

Parkraumbewirtschaftung
Die Grünen setzen sich dafür ein, dass das Parkpickerl im dicht bebauten Teil Meidlings eingeführt wird. Diese Maßnahme hat sich schon in anderen Bezirken bewährt; im Klip heißt es dazu (S. 128): "Eines der wirkungsvollsten Instrumente, den Pkw-Verkehr auf die "Öffis" zu verlagern, ist die Parkraumbewirtschaftung." Die SPÖ lehnt das Parkpickerl in Meidling ab und betreibt eine Stellplatzpolitik, die völlig kontraproduktiv ist. Die Umwandlung von Längsparkplätzen in Schrägparkplätze und die Errichtung neuer Tiefgaragen kosten nicht nur sehr viel Geld, sondern ziehen auch noch zusätzlichen Verkehr aus anderen Bezirken und dem Wiener Umland an. Untersuchungen rund um den Meidlinger Markt haben gezeigt, dass sowohl tagsüber als auch am Abend rund 20 % der parkenden Autos kein Wiener Kennzeichen haben. Außerdem gehen Schrägparkplätze zu Lasten der Bewegungsfreiheit von FußgängerInnen und RadfahrerInnen.

Bewußtseinsbildung
Alle im Rahmen des Klimaschutzprogramms umgesetzten Maßnahmen sollen mit Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden. Außerdem sollen auch in Meidling Aktionen zum nächsten autofreien Tag am 22 September 2002 gesetzt werden (z.B. Walking Miles in Meidling).

Errichtung eines Passivhauses in Meidling in dieser Legislaturperiode
Laut Klip (S. 85) soll bis 2010 "im Wohnungsneubau das 'Passivhaus', das ohne konventionelle Heizung auskommt, Standard sein." Passivhäuser kommen ohne herkömmliches Heizsystem aus, da sie dank extremer Wärmedämmung und passiver Sonnenenergienutzung etwa 80 % weniger Heizenergie als herkömmliche Neubauten brauchen. Ein weiteres Merkmal von Passivhäusern ist ein effizientes Lüftungssystem, wo die Wärme aus der Abluft auf die einströmende Frischluft übertragen wird (ohne sich mit dieser zu vermischen). An besonders kalten Tagen wird bei Bedarf die Zuluft nacherwärmt. Passivhäuser existieren bereits in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg. Die Errichtung eines Musterprojektes Passivhaus-Siedlung ist in den Rot-Grünen Projekten auf Landesebene vorgesehen und soll in diesem Jahr gestartet werden. Aktuelle Informationen zu Passivhäusern finden Sie unter www.cepheus.at

Fortschrittsbericht
Einmal jährlich soll ein schriftlicher Kurzbericht zur Umsetzung des Klip Meidling erstellt werden. Dieser Bericht soll neben den umgesetzten und geplanten Maßnahmen auch Indikatoren enthalten, die die Wirkung der Maßnahmen messen sollen. Folgende Indikatoren könnten in den Bericht aufgenommen werden:
- Energieverbrauch in den Bezirksobjekten seit 1990
- Stromverbrauch seit 1995
- Anteil Ökostrom
- Anzahl der für FahrradfahrerInnen geöffneten Einbahnen
- Anteil der Biolebensmittel in bezirkseigenen Einrichtungen
- Anteil der beeinflussbaren Verkehrslichtsignalanlagen
- Car Sharing TeilnehmerInnen und Autos
 
 
 

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