Tempo 30 nachts für lärmgeplagte Meidlinger:innen!?

Weniger Lärm, mehr Lebensqualität durch Tempo 30. Zwei Anträge, und wie die Stadt Wien damit umgeht

An stark befahrenen Straßen leiden Anrainer:innen besonders unter Lärm und Luftverschmutzung durch den motorisierten Verkehr. Eine einfache und wirksame Maßnahme dagegen ist Tempo 30. Es erhöht die Lebensqualität, die Gesundheit und die Sicherheit.

Da ein flächendeckendes Tempo 30 seit Jahren am Widerstand der Stadtregierung und auch mehrerer Parteien sowohl auf Bezirksebene scheitert, beantragten wir Grüne für zwei Durchzugsstraßen eine nächtliche Temporeduktion – zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens.

Denn wir sagen: Tempo 30 ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn an Lebensqualität. Wer Tempo 30 verhindert, entscheidet sich bewusst gegen die Gesundheit und Lebensqualität der Anrainer:innen.

Altmannsdorfer Straße und Grünbergstraße: Stadt Wien am Zug

Diese beiden Straßen sind eine beliebte Durchzugsstrecken durch Meidling – und dementsprechend verkehrsreich und laut. Unser Antrag auf Tempo 30 während der Nachtstunden wurde im Bezirk beschlossen, an die Stadt Wien weitergeleitet – und soll in den nächsten Wochen entschieden werden.

Abgelehnt: Schönbrunner Straße und Schönbrunner Schloßstraße

Hier legte sich die Stadt Wien quer und lehnte mit Verweis auf die Wiener Linien eine Temporeduktion ab. Die Begründung: Der drohende Zeitverlust der (Nacht)Busse.

Damit wird leider auch ein dringender Wunsch vieler Anrainer:innen missachtet. Seit Jahren erreichen uns immer wieder Anfragen von Bewohner:innen dieser beiden Straßenzüge, die unter Lärm und Abgasen leiden. Eine Anrainerin sammelte im vergangenen Jahr in kurzer Zeit mehr als 500 Unterschriften für eine Petition zur Verkehrsberuhigung im Wiener Petitionsausschuss. Auch diese Petition wurde von der Stadt Wien letztendlich ignoriert.

Warum Tempo 30?

Tempo 30 bringt spürbare Entlastungen: weniger Lärm, weniger Schadstoffe, weniger Unfälle, weniger Verletzte. Mittlerweile gibt es zahlreiche Studien, die das belegen:

  • Laut dem Deutschen Umweltbundesamt (2024) sinkt die Zahl der Unfälle mit Verletzten in Städten um bis zu 40 %.
  • Kürzere Bremswege erhöhen die Sicherheit: Bei 50 km/h beträgt der Anhalteweg eines PKW etwa 28 Meter, bei 30 km/h nur mehr 13 Meter. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV, 2025) kommt zu dem Schluss, dass 90 % der Fußgänger*innen einen Aufprall mit 30 km/h überleben, bei 50 km/h sind es nur 50 %.
  • Langsameres Fahren führt zu gleichmäßigeren Geschwindigkeiten und das reduziert den Lärm. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO (2023) zeigt, dass Tempo 30 den Verkehrslärm um 2–3 Dezibel senkt. Das klingt nach wenig, entspricht aber einer Halbierung der wahrgenommenen Lautstärke.
  • Mit 30 km/h fahren Autos sparsamer und sauberer. Eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts (2025) in Berlin weist eine Verringerung des Stickoxid-Ausstoßes um 15–20 % nach.
  • Weniger Reifenabrieb und Bremsstaub senken die Feinstaubbelastung in Tempo 30-Zonen um bis zu 10 % (Helmholtz-Zentrum München, 2024). Das ist in innerstädtischen Gebieten besonders relevant, da dort viele Menschen an Atemwegserkrankungen leiden.

Es ist Zeit, die Interessen der Menschen über die Geschwindigkeit von Autos zu stellen.