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am 30. Oktober

FRAUEN DER WISSEN­SCHAFT WERDEN IN MEID­LING GEWÜRDIGT

Tanja Grossauer-Ristl - Mona Lisa Steiner, Lore Kutschera sowie Leonore Brecher sind Namensgeberinnen im neuen Meidlinger Wohnquartier „Wildgarten“.

Drei Wege des neuen Grätzls im Bereich des Emil Behring Wegs in Hetzendorf, sollen nach den verdienten Wissenschaftlerinnen benannt werden. Die Vision des neuen Stadtteils ist es, naturnahes Wohnen in der Stadt zu ermöglichen. Daher passt es sehr gut, dass sich die drei Frauen in ihrer Forschung intensiv mit Biologie und Pflanzenkunde befasst haben.

Ein entsprechender Mehrparteienantrag von Grünen, Neos, SPÖ und ÖVP wurde bei der Bezirksvertretungssitzung am 29.9. mehrheitlich angenommen.

Die verstärkte Benennung von öffentlichen Straßen und Räumen nach Frauen, schließt eine Lücke im Selbstbild der Stadt. Bislang sind Männer im Stadtbild über repräsentiert. Die Grünen Meidling freuen sich daher, dass drei großartige Frauen für ihre Verdienste um die Wissenschaft gewürdigt werden.​

LORE KUTSCHERA 1917-2008


 
Lore Kutschera ist international anerkannte Wurzelforscherin und Gründerin des pflanzensoziologischen Instituts in Klagenfurt. Ihre monumentale Wurzel-Atlas Reihe gilt als wissenschaftliches Standardwerk. Nach ihrem Studium in Klagenfurt und Wien forschte sie in Kärnten und beriet dort auch landwirtschaftlicheBetriebe. Später lehrte die Kärntnerin auch als Professorin an der Universität für Bodenkultur in Wien. Ihre Forschung lieferte wichtige Grundlagen für den Umweltschutz und die biologische Landwirtschaft. 2017 wäre Lore Kutschera 100 Jahre alt geworden.
 
Weiterlesen: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/lore-kutschera

Prof. Lore Kutschera

MONA LISA STEINER 1915-2000


Die Wienerin Mona Lisa Steiner studierte Botanik und Zoologie an der Universität Wien, bevor sie 1938 auf die Philippinen emigrieren musste. Innerhalb weniger Jahre gelang es ihr, sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Sie etablierte sich als Expertin für die Pflanzenwelt ihrer Exilheimat. Sie ist Verfasserin eines Standardwerks über Orchideen und baute einen internationalen Pflanzenversand auf. Mitte der 1960er Jahre kehrte sie nach Wien zurück. Die Methode der „Wiener Schule“ beim Blumenstecken geht auf sie zurück.  Gegen Ende ihres Lebens regte Steiner den Aufbau einer mehrsprachigen internationalen Internetdatenbank für Nutz- und Kulturpflanzen an der Universität für Bodenkultur an. Mona Lisa Steiners Lebensweg wird derzeit intensiv von der Uni Wien erforscht. Eine entsprechende Studie soll noch in diesem Jahr erscheinen.
 
Weiterlesen: https://medienportal.univie.ac.at/uniview/forschung/detailansicht/artikel/wissenschaft-im-exil-die-tropenbotanikerin-mona-lisa-steiner/

LEONORE BRECHER 1886-1942  


Leonore Brecher wurde 1886 in Botosani (heute Rumänien)  geboren. Die Biologin absolvierte ihre Ausbildung an den Universitäten Czernowitz und Wien. Ab 1915 arbeitete die jüdische Forscherin am bekannten Vivarium (eigentlich BVA Biologische Versuchsanstalt) in Wien. Dort wurde in modernen Labors interdisziplinär und international gearbeitet, Gastforscherinnen und Gastforscher kamen aus aller Welt nach Wien, um entweder mitzuarbeiten oder sich vom Institut etwas abzuschauen, das in der Folge für Einrichtungen von New York (American Museum of Natural History) bis Moskau (Institut für Experimentalbiologie am Zoo) als Vorbild diente. Eine Besonderheit für die damalige Zeit war, dass dort auch viele Frauen arbeiten und forschen konnten. Leonore Brecher war eine der Begabtesten von ihnen und sie war enorm produktiv. Bei ihren Antrag auf Habilitation im Jahre 1923 kann sie bereits auf etliche Veröffentlichungen in den renommiertesten Fachblättern ihres Forschungsbereichs verweisen. Trotzdem wird ihr aus antisemitischen Gründen die Habilitation verweigert.

Nach dem „Anschluss“ wird sie aus rassistischen Gründen verfolgt. Die Flucht ins Ausland gelingt nicht. Im September 1942 wird Leonore Brecher aus ihrer Wiener Wohnung in das Vernichtungslager Maly Trostinec bei Minsk deportiert und ermordet.
 
Weiterlesen: https://www.oeaw.ac.at/online-gedenkbuch/gedenkbuch/personen/a-h/leonore-rachelle-brecher/
 


Leonore Brecher