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am 3. November

Das Klimavolksbegehren: Ein Interview mit Helga Krismer

Elke Sonja Karpf - Helga Krismer, Landessprecherin der Grünen NÖ, hat als Privatperson einen Verein zur Durchführung eines Klimavolksbegehrens gegründet. Das Klimavolksbegehren wird derzeit ausformuliert, mit dem Sammeln der Unterschriften soll 2019 begonnen werden.

Auch wir von den Grünen Meidling sind der Ansicht, dass man alle Hebel in Bewegung setzen muss, um die Klimakrise mit Kraft und Entschlossenheit aufzuhalten. 

Dazu brauchen wir eine starke Initiative von unten, um die Industrie und Regierung mitzureißen.​

Liebe Helga, du hast auf Anregung deines 12-jährigen Sohnes das Klimavolksbegehren initiiert. Was ist deine wichtigste Botschaft dazu in einem Satz?

Wer Menschen liebt, rettet das Klima.

In dem Video auf deiner Homepage klimavolksbegehren.at sprichst du von einer „europäischen Kulturfrage, wie wir hier auf dem Kontinent weiterleben wollen“. Was sagst du jemanden, der meint: „Ich habe aber andere Probleme.“?

BauarbeiterInnen und Menschen, die dem Hitzesommer nicht entrinnen konnten, haben bereits Probleme mit dem Klima. Das Klima verändert unsere Art zu leben und zu arbeiten. Ich möchte unsere Jahreszeiten und unsere Art zu leben, beibehalten.​

In unserem Bezirkslokal in Meidling zeigten wir vor kurzem den Film „Zeit für Utopien“. Der geladene Regisseur Kurt Langbein betonte, dass die notwendige Umstellung der Ökonomie von Verzicht begleitet sein wird, der Verzicht jedoch Lebensqualität und Freude bedeuten kann. Kannst du ein Beispiel aus deinem täglichen Leben nennen, auf welches dies zutrifft? 

Ich empfinde es als enorme kulinarische Bereicherung, kaum Fleisch zu essen. Der Speiseplan ist seit Jahren vielfältiger geworden und internationaler.

Durch die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft werden wir in Zukunft mehr Energie benötigen. Wie realistisch ist die laut aktuellen Wissenschafter*innen empfohlene Einhaltung der Klimaziele, der globalen Reduktion von CO2 und Senkung der Erderhitzung um 1,5 Grad? Wie kann es speziell Österreich gelingen, seinen Beitrag zu leisten?

Es gibt unterschiedliche Studien, was Digitalisierung wie verändert. Warenlogistik, keine Leerfahrten sind nur mit digitalen Services möglich. Ich sehe auch Vorteile. Wir sollten die positiven Auswirkungen fördern und Risken definieren. 

Auf deiner Homepage schreibst du: Klimapolitik soll „von Backstage zur Hauptbühne“ ins Rampenlicht gelangen…Wir nehmen an, dass dies gelingt! Welche Maßnahmen, ob national oder international, findest du am effektivsten und dringendsten, um der Klimakrise zu begegnen?

Der EU-Ratsvorsitz ist eine vertane Chance, die Überlebensfrage wurde nicht auf die Hauptbühne und damit ins Scheinwerferlicht gerückt. Ich möchte den Stellungnahmen von BürgerInnen, NGOs und ExpertInnen nicht vorgreifen. Das Volksbegehren bietet die Chance, gemeinsam demokratiepolitisch die Hauptbühne zu betreten.

Im Dezember 2018 wird eine weitere Klimakonferenz in Katowice (COP 24) stattfinden. Was wünschst du dir von den Teilnehmer*innen?

Konkrete Schritte. Zieldefinitionen haben wir genug. Wir scheitern schon zu lange.

Noch eine Frage, die mich persönlich besonders interessiert: Das Verständnis für die Klimakrise, sowie das Entwickeln kreativer Lösungen ist für mich als Pädagogin und Philosophin auch eine Frage der Bildung. Welche Maßnahme sollte diesbezüglich unbedingt in Österreichs neues Bildungspaket bzw. eigenständig von den Bildungseinrichtungen aufgenommen werden?

Bildung und Unterricht wurde daher auch als Themenkreis aufgenommen. Da ich in der Gemeinde als Vize-Bürgermeisterin Projekte durchführen durfte, bin ich persönlich überzeugt: Mülltrennen, Lebensmittel, Plastik, Energie und Mobilität sollten Themen für gesetzliche Bildungsziele werden.

Wir wünschen viel Erfolg und danken für das Gespräch!

Wer Helga Krismer unterstützen will, kann sich auf ihrer Homepage klimavolksbegehren.at anmelden bzw. sich in den sozialen Netzwerken verlinken: ​https://www.facebook.com/klimavolksbegehren​​

Helga Krismer mit Madeleine Petrovic